Die Lust am Fleisch von Extensivweiden

Stiefelgeissen in Aargauer Pro Natura Schutzgebiet

Die Sache ist nicht neu: Wir sollten nicht so viel Fleisch essen, zumal nicht von Tieren, welche viel Mastfutter vertilgen. Denn die Produktion von Mastfutter benötigt Ackerbauflächen, die der direkten Produktion von Nahrungsmitteln verloren gehen – vor allem auch im Ausland. Diese Fläche ist seit den 90er Jahren sprunghaft auf 200'000 ha gestiegen. Wir brauchen damit fast doppelt so viel Ackerland im Ausland, wie die Schweiz selbst hat. Dies weil, wie «diegrüne» 9/2009 schreibt, sich der Futtermittelimport in dieser Zeit verdoppelt hat. Dadurch wird die versteckte Auslandabhängigkeit der Schweizer Landwirtschaft deutlich: Der Eigenversorgungsgrad der Schweiz liegt längst nicht mehr bei 60%, wie immer wieder stolz berichtet wird, sondern eher unter 25%, berichtet das Landwirtschaftsblatt.

Extensivweiden

Nicht alles Land ist ackerfähig. Ohne den massiven importierten, indirekten Düngereintrag in unsere Böden gäbe es sehr viel mehr Flächen, die nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit durch extensive Beweidung bewirtschaftet werden müssten. Darum ist der Fleischkonsum nicht zum Vornherein zu verteufeln. «Extensivweiden sind zudem vielfältige Lebensräume und ökologisch sehr wertvoll», weiss Ulysses Witzig von Pro Natura Aargau.

«think global – act local»

Rinder im Pampareservat

Sein Referat am diesjährigen gemeinsamen Umweltanlass der FDP Baden und der «Sagittaria, Schweizerische Vereinigung für Naturschutz in Argentinien» stand ganz im Zeichen von «think global – act local»: «Ob im Aargauer Schutzgebiet oder in der fernen Pampa entstanden, Weidefleisch erschliesst uns Kalorien, die ansonsten nicht zur Verfügung stünden und – es ist sehr schmackhaft.» Letzteres betonte auch der Doppelpräsident FDP/Sagittaria, Matthias Bernhard, der die gegen 50 Teilnehmer zu Tische bat. Degustiert wurde argentinisches Entrecôte, sorgfältig grilliert vom Argentinier Diego Tombion.

Die Sache mit dem Label

Einziger Wehrmutstropfen: Gegessen wurde noch nicht das langersehnte zertifizierte Fleisch der wenigen Biorinderfarmen in der Pampa. Doch dieses ist jetzt endlich da, erhältlich in der Metzgerei Müller in der Weiten Gasse, Baden! Da die argentinischen Rinder ohne Stall, Strom und Diesel für die Futtermittelproduktion auskommen, ist die Energiebilanz trotz langem Transport nicht schlechter als die der inländischen Produktion, kommt eine Studie zum Schluss, die von Sagittaria in Auftrag gegeben wurde. Die Ökobilanz dürfte noch besser sein, bedenkt man, wie wichtig die Extensivweiden für die Erhaltung der Flora und Fauna der Pampa sind, zumindest wenn der Transport auf dem Wasser erfolgt. Trotzdem schliesst Bio-Swiss auf Anfrage eine Knospenzertifizierung aus: nicht etwa wegen der Qualität, sondern weil zwar Kaffee und Bananen, aber nichts Ausländisches zertifiziert wird, das auch in der Schweiz produziert werden kann.

Franken für Guaraní-Land

«Geisterhof» in Sojaplantage: Pampa entvölkert sich

Die Soja für Viehfutter- und Alternativtreibstoffproduktion vertreibt in der Pampa die Menschen vom Land und nimmt der Urbevölkerung im angrenzenden Chaco die Lebensgrundlage. Mindestens ein Franken pro Kilogramm verkauftes Fleisch ist für den Landerwerb in der Provinz Misiones im Nordosten von Argentinien reserviert. Viele Indianer flüchten vor der Sojaproduktion in die dortigen Waldgebiete. Doch sie übernutzen die kleinen Flächen, welche übrig geblieben sind. Sagittaria vergrössert diese Gebiete, indem sie Land erwirbt und den Guaraní zurückgibt.